Halb5 Vortrag | 26.01.2000 | Identität
Friedrich Forssman, Kassel
Der damals 33-jährige Schriftsetzer Friedrich Forssman setzte Arno Schmidts Werke neu.Schon im zarten Alter von 18 Jahren entdeckte Friedrich Forssman, den Autor, Arno Schmidt und seine Werke für sich. Fasziniert habe ihn das Druckbild, Ausschwärzungen, Ergänzungen per Bleistift, unproportional fette Punkte und Kommas und eingeklebte Ausschnitte. Als 23-jähriger, ausgelernter Schriftsetzer, legte er Bernd Rauschenbach und Jan Reemtsma von der Arno-Schmidt-Stiftung Arbeitsproben mit Lösungsvorschlägen für die Schmidtschen Werke vor. Friedrich Forssman überzeugt durch seine Detailarbeit. Er hatte sich mit den Schriftproportionen des Originals auseinander gesetzt. Um die Nähe zu diesem nicht zu verlieren, wählte er die »Bembo« Schrift aus der Renaissance, des weiteren entschied er sich für romanische Anführungszeichen mit der Spitze nach innen; Varianten behielt er seinem Ermessen vor: »Sonst könnt´s ja auch jeder«. Seit diesem Zeitpunk sind drei Bände von Arno Schmidts Werken erschienen, gesetzt von Friedrich Forssman. Seine Arbeit an den Werken Schmidts setzte Forssman mit einer steinalten Work Station 16, Modell Berthold 2, 1000MB um. Diese Höllenmaschine stammt aus den späten 70ern, aus den letzten Jahren Arno Schmidts. Aber nur mit dieser Maschine ist Friedrich Forssman in der Lage, die Feinheiten zu realisieren, die das Typoskript verlangt.
Manchmal dauert es 2-3 Tage, eine Seite zu setzen. Entschädigt wird er durch den Anblick des originalen Typoskripts, schwarze Korrekturbalken erweisen sich als Pappen und penibel ausgemalte Bleistiftrechtecke, die Schreibmaschinenschrift auf dem aprikosenfarbenen Papier, zeigt aus der Nähe ihre Runzeln, man erkennt die porösen kleinen m´s und das Relief verrät, mit welcher Energie der Autor Arno Schmidt in die Tasten hieb.
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